Über Produktivität und Perfektion

Frohen zweiten Advent euch allen! Heute geht es hier mal um ein etwas anderes Thema, und es wird recht ehrlich. Der nächste Post ist aber wieder der heilen, fröhlichen, kreativen Großstadtprinzessin-Bastelwelt gewidmet, keine Sorge! 😉

Ich weiß nicht wie es euch geht, falls ihr selbst ein Blog schreibt, aber mein Problem ist nie ein Mangel an Ideen, immer nur die Umsetzung. Ich blogge im Wesentlichen über meine eigenen Bastelprojekte und über kreative Inspiration (meine Mutter ist allerdings der Meinung, ich “zeige doch immer nur die Sachen von anderen Leuten”), und ich würde sicherlich auch ohne meinen Blog Dinge selbermachen. Das habe ich schließlich in der Prä-Großstadtprinzessin-Ära auch getan. Woran es meistens hapert, ist der Schritt, die fertigen Projekte visuell ansprechend in Szene zu setzen, zu fotografieren und zusammen mit einem netten kleinen Text in Form eines Blogposts ins Netz zu stellen.

Im Weg steht mir dabei in aller Regel mein eigener Perfektionismus. Man kann ja nicht einfach nur mal eben irgendwelche Handyfotos knipsen, um Himmels willen. Machen andere ja auch nicht. Oh nein, es muss immer ein gestyltes Foto sein, mit Requisiten und so, mit der Spiegelreflex fotografiert, mit schönem Bokeh im Hintergrund (allein schon deswegen, damit man unsere unaufgeräumte Bude nicht so sieht), bitteschön mit Tageslicht (nichts ist schlimmer als Fotos mit gelbem Kunstlicht oder gar, Gott bewahre, mit BLITZ!) und überhaupt. In meiner Vorstellung muss jedes Vanillekipferl, jeder Brief und jede kleine Bastelei dokumentiert und gebloggt werden. Dass das in der Realität nicht umsetzbar ist, wenn man nebenbei noch seine Masterarbeit schreibt und es auf Weihnachten zugeht, schon gar nicht so, dass es meinen – sicherlich überzogenen – Ansprüchen genügt, sollte eigentlich klar sein. Und trotzdem habe ich unterschwellig immer ein schlechtes Gewissen.

Das Resultat ist, wie ihr sicherlich in den letzten Tagen und Wochen gemerkt habt: Es passiert einfach gar nichts. Dahinter steht der (völlig bescheuerte) Gedanke: Wenn ich meine Fotos nicht wunderschön und vor allem rechtzeitig fertig kriege, mach ich lieber gar keine. Und hab dann aber nichts, worüber ich bloggen kann.

Done is better than perfect.

Deshalb habe ich beschlossen, dass ich mir selber in Zukunft nicht mehr soviel Druck machen will. Ich glaube eigentlich, dass die meisten von euch, wenn sie es sich aussuchen könnten, lieber Posts mit unvollkommenen Fotos lesen als überhaupt keine (oder sehe ich das falsch?). Jedenfalls geht mir das so. Das Zitat oben finde ich für dieses Dilemma und die Lösung sehr passend: Besser, du kriegst Dinge überhaupt erledigt, als dass du alles perfekt hinkriegen willst.

In nächster Zeit kann es also gut sein, dass hier mal ein paar miese Handyfotos auftauchen. Ich hoffe, das ist ok für euch. Ich möchte euch eigentlich viel mehr von dem zeigen, was ich so mache (denn, ja, ich mache durchaus was, ihr wisst nur nichts davon), und nicht immer habe ich die Muße oder das Tageslicht, um das perfekte Foto zu schießen. Aber das ist in Ordnung. Ich weiß nicht, wie andere Blogger das machen (z.B. Ina, oder Joanna, oder Vera, die ich allesamt restlos bewundere für die Qualität ihrer Fotos und vor allem für die Regelmäßigkeit, mit der sie ihre Posts abliefern. Ernsthaft, Mädels, wie macht ihr das? Im Winter???), aber ich bin ja nun mal leider nicht andere Blogger, sondern ich bin nur ich. Und ich muss mit dem arbeiten, was ich habe, schätze ich.

Wie ist eure Meinung dazu? Lasst ihr euch auch von eurem eigenen Perfektionismus unter Druck setzen? Oder seht ihr das ganz entspannt? Ich bin auch für ganz praktische Tipps zum Fotografieren bei Kunstlicht o.ä. dankbar! 😀

xoxo, Großstadtprinzessin

PS: Das Bild hab ich mit der coolen Seite Recitethis.com erstellt, wo man ein beliebiges Zitat eingeben und mit einem von vielen tollen Hintergründen kombinieren kann. Macht Spaß, probiert’s doch mal aus! 🙂

 

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7 Responses to Über Produktivität und Perfektion

  1. Schöner Post!
    Und: ich muss leider deiner Mutter zustimmen, ich finde auch, dass (vor allem in letzter Zeit) hier eher Bilder von anderen auftauchen (z.B. beim DIY-Dienstag) 🙂
    Ich kann dein Dilemma sehr gut nachvollziehen, fluche ich doch selbst immer die schlechten Lichtverhältnisse, jetzt im Winter sowieso, aber teilweise auch im Sommer, da ich z.B. in meiner Wohnung einfach noch nicht die perfekte Foto-Ecke gefunden habe. Ich habe nichtmals eine Spiegelreflex, aber immerhin eine Digicam mit einer halbwegs guten Lichtstärke.
    Mir geht es auch genauso wie dir, dass ich Ina und Vera echt für diese Fotos bewundere (und Vera zudem noch für die Texte).
    Ich habe für mich irgendwie einen Kompromiss gefunden. Klar hätte ich gerne bessere Bilder, generell mit besserer Bildqualität und dazu auch schöner “arrangiert”. Aber das bekomme ich nicht hin, dank Kamera und auch dank nicht so guter Bildbearbeitungs-Kenntnisse. Und ich möchte nicht unendlich viel Zeit investieren.
    Daher gibt es halt Posts, mit denen ich halt halbwegs zufrieden bin.
    Ich würde auch gerne öfters Tutorials oder aufwendigere Posts posten, die fristen allerdings schon seit Eeeeewigkeiten unter “Entwürfe” ihr Dasein…
    Dein Vorhaben, in deinen Augen nicht 100%-perfekte Posts zu veröffentlich, finde ich gut. Bloggen soll doch Spaß machen und nicht stressen, oder? 🙂
    Viele Grüße, Goldengelchen

    • Hi Goldengelchen, danke für dein Feedback. Sehr beruhigend, dass du auch mit nicht ganz perfekten Posts zufrieden wärst. Und du hast völlig Recht, wenn man sich zu sehr stresst bzw. stressen lässt, verliert man irgendwann die Freude am Bloggen. Und das wollen wir ja nicht 😉

  2. Bei mir gibt’s so oft Bilder, mit denen ich eigentlich nicht zufrieden bin… Ich bin eigentlich überhaupt kein perfektionistischer Mensch, aber es stört mich trotzdem. 😉

    Das Problem ist, dass das ganze so schon so dermaßen viel Zeit in Anspruch nimmt, dass ich es NOCH besser gar nicht mehr schaffen würde. Und derzeit schaffe ich es nicht mal un-perfekt… Also von daher, trau dich ruhig, auch mal nicht perfekt zu sein. Dann machst du den anderen auch kein schlechtes Gewissen 😉

    Liebe Grüße
    Nele

    Liebe Grüße
    Nele

    • Hey Nele, ich stimme dir total zu – Bloggen an sich nimmt schon ganz viel Zeit in Anspruch (das machen sich die meisten Leute gar nicht so klar), irgendwo muss man einfach Abstriche machen, schätze ich. Vielen Dank für dein positives Feedback! 🙂

  3. Vollzeit-Bloggen :-).
    Ich würde GARANTIERT keinen Job oder Studium oder Kleinkinder “nebenher” schaffen – wie DAS die Blogger machen, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben ;-).

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