Einmischen vs. Raushalten

Wie weit darf man als Freund gehen? Ist es ok, sich in das Leben anderer (loved ones) einzumischen, selbstverständlich nur zu ihrem Besten? Oder hält man sich vornehm zurück und lässt sie munter in ihr Unglück hüpfen? Ist eine ehrliche Meinung schon eine indirekte Einflussnahme?

Folgende Situation: In meinem Freundeskreis gibt es ein Mädel, nennen wir sie Miss X, die gerade frisch getrennt ist, diese Trennung (obgleich ein überaus glückliches Ereignis, wenn ihr mich fragt) nur sehr schwer verarbeitet hat und emotional immer noch recht, wie soll ich sagen, anfällig ist für allerlei Verletzungen. Nun ist es natürlich so, wenn man eine frustrierende Beziehung hinter sich hat, möchte man erstmal sein Single-Dasein genießen. Man möchte ausgehen, feiern, flirten. Dahinter steckt in den meisten Fällen (behaupte ich jetzt einfach mal, war jedenfalls bei mir immer so) ein angekratztes Ego und das Bedürfnis, durch leichte, unverbindliche Affären (oder auch nur Knutschereien auf der nächsten WG-Party) das Selbstwertgefühl wieder aufzupolieren. Das Zauberwort hier lautet: UNVERBINDLICH. Für diese Art von Ego-Pushing (man könnte es auch Rumhuren nennen) braucht man eine gewisse Kaltblütigkeit und das Vermögen, Körperliches von Emotionalem zu trennen. Manche Menschen haben dieses Talent, und manche haben es nicht. Und Miss X, so Leid es mir tut, hat es eindeutig nicht.

In a nutshell: Sie hat sich auf einen Typen festgefahren, der in dem zweifelhaften Ruf steht, die eine oder andere junge Dame aufs Kreuz zu legen, sowohl buchstäblich als auch im übertragenen Sinne. Wenn man sich auf so jemanden einlässt, muss man entweder genau wissen womit man es zu tun hat, oder stark genug sein, eine etwaige Enttäuschung (und es scheint fast sicher, dass ihr eine solche bevorsteht) ohne größeren Schaden wegzustecken. Jetzt frage ich mich: Versucht man, sie von besagtem Typen fernzuhalten? Hält man mit seiner Meinung hinterm Berg und lässt sie ihre eigenen Fehler machen? Also: Inwieweit sollte man sich einmischen oder nicht?

Aus der Perspektive des Beobachters ist es sicherlich einfacher, sich herauszuhalten. Ich kann mich jedoch erinnern, dass, sobald ich von meinem ersten Freund getrennt war (eine eher unschöne Trennung, im Übrigen), fast jeder in meinem Inner Circle meinte: Ich war von Anfang an der Meinung, dass der komisch war/ihr nicht zueinander gepasst habt. Und meine Reaktion darauf war damals: Na toll! Warum sagt ihr mir das erst jetzt???

Also, ich bin zwiegespalten. Ich werde sehen, wie es mit Miss X und ihrem Womanizer weitergeht, und letzlich kann man natürlich niemanden zu seinem Glück zwingen. Aber ich für meinen Teil bin dankbar, wenn mir nahestehende Menschen ihre Sorge um mich zum Ausdruck bringen.

Wie seht ihr das? Erfahrungen in dieser Beziehung? Ratschläge?

xoxo, Großstadtprinzessin

One Response to Einmischen vs. Raushalten

  1. Ich würd se mal neutral drauf hinweisen – sie also über deine Meinung aufklären. Man muss ja nich drauernd drauf rumreiten und ihr immer wieder unter die Nase reiben, wie naiv sie ist.
    Aber so ‘ne ganz subjektive, lieb gemeinte Warnung is nie verkehrt 🙂
    (so wärs mir an ihrer Stelle auch lieber, dafür sind Freunde ja da!)

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