Memory Keeping 2015

Der heutige Post hat ein für mich etwas ungewohntes Thema, denn ich kann euch nichts Fertiges zeigen, kein DIY-Projekt, kein Rezept, kein ausgeklügeltes System oder Prozedere. Eigentlich wollte ich euch im Januar ein Update meiner Journaling-Routine zeigen, da hat sich nämlich ein bisschen was geändert; aber vor ein paar Tagen hab ich im Internet etwas entdeckt, das möglicherweise schon wieder alles über den Haufen wirft. Aber der Reihe nach.

Bereits Ende letzten Jahres, aber vor allem seit 2015 hab ich beschlossen, dass ich jeden Tag in irgendeiner Form festhalten möchte. Das ist natürlich ein anspruchsvolles Ziel, und kann auch schnell in Stress ausarten, aber mich nervt es einfach, wenn ich Tage nicht dokumentiert habe, weil sich dann in meinem Kopf so weiße Flecken bilden, die mich stören. Wahrscheinlich ist es ganz normal, dass man sich in der Regel nicht daran erinnern kann, was man vor drei Tagen zum Abendessen hatte, und vielleicht ist das auch gar nicht notwendig; aber irgendwie geht es mir trotzdem um die ganz banalen, kleinen Dinge des Alltags, die ich festhalten möchte.

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Das letzte Jahr war in Sachen Journaling oder Memory Keeping (ein etwas sperriger, sehr amerikanischer Begriff, der aber am besten das beschreibt, was ich mache oder machen möchte) sehr experimentell: ich hab viel rumprobiert, Formate und Kladden gewechselt, gekauft, benutzt, wieder verworfen usw. Dabei hab ich schon recht früh festgestellt, dass ich eigentlich gerne pro Monat ein Album haben möchte (inspiriert von diesen Journals); gewissermaßen ein December Daily, aber eben auch eins für den Januar, den Februar, den März usw. Der Grund dafür ist, dass wenn man täglich Tagebuch schreibt oder ein bisschen scrappt, Fotos einklebt usw., dass man dann nie im Leben mit einem einzigen Buch pro Jahr hinkommt. Abgesehen von ganz praktischen Überlegungen wie der Bindung des Buches, die das einfach irgendwann nicht mehr mitmacht.

Für mein December Daily 2014 (und auch für mein aktuelles Januartagebuch) benutze ich diese A5-Notizbücher mit Spiralbindung. Die haben genug Seiten, dass der ganze Monat reinpasst (selbst wenn man jeden Tag eine Doppelseite gestaltet), und die Seiten die am Ende leer bleiben, reißt man einfach raus. Sie haben ein schönes Format, die Cover sind stabil und lassen sich gut bekleben oder bemalen, und durch die Spiralbindung kann man das Buch ordentlich vollstopfen, ohne dass der Buchrücken durchkracht (ist nämlich alles schon vorgekommen).

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Klingt doch alles super, oder? Funktioniert doch. Ist doch das ultimative System. Bis ich vor ein paar Tagen das hier im Internet gefunden habe.

{image via Becky Higgins Shop}

Sieht erstmal recht unspektakulär aus, ich weiß; das liegt an den unzureichenden Bildern im Becky Higgins Onlineshop. Dieses YouTube-Video bringt vielleicht ein bisschen mehr Klarheit. Im Grunde handelt es sich um Einlagen für einen Project-Life-Ordner (und wer jetzt nicht weiß, was Project Life ist, den schicke ich mal eben hierhin), die für Journaling gedacht sind. Sie passen in die kleineren Ordner (6×8 Inches, die meisten Project Lifer benutzen große 12×12 Alben) und lassen sich natürlich hervorragend mit den berühmten Klarsichthüllen (page protectors oder auch pocket pages) kombinieren, die mit Fotos und/oder Journaling Cards gefüllt werden. Sie scheinen aus recht festem Papier zu sein und sind schön bunt designt, aber trotzdem recht minimalistisch, mit viel Platz für Text.

Jetzt muss ich nochmal ein bisschen ausholen (Respekt an alle, die immer noch mitlesen! ^^) zum Thema Project Life: Ich kenne das System seit ein paar Jahren und liebäugele schon seit einer ganzen Weile damit. Mir gefällt die Simplizität der ganzen Sache, mir gefällt das Ordner-Prinzip (denn Memorabilia wie z.B. Broschüren oder Flyer lassen sich ganz einfach mit abheften, das ist in einem richtigen Buch schon deutlich schwieriger), und natürlich kriegen mich auch die ganzen tollen Journaling Cards mit den farbenfrohen Designs. Total blöd, ich weiß, aber ich kann gar nichts dagegen machen 😀 Das Problem war immer: Der Kram ist zu teuer, um Project Life mal eben auszuprobieren, denn wenn es einem nicht gefällt oder irgendwie für einen nicht funktioniert, dann hat man richtig viel Geld ausgegeben und bleibt auf dem Zeug sitzen. Aber viel wichtiger war das Problem, dass ich immer viel schreibe, und Sorge hatte, meinen ganzen Text nicht unterbringen zu können. Denn auf so einer kleinen Journaling Card ist einfach nicht genug Platz.

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{project life page by Cathy Vee via Inside the Crafter’s Studio}

Das letztere Problem ließe sich jedenfalls mit den oben gezeigten Journal-Einlagen trefflich umgehen, und man hätte trotzdem die Möglichkeit, sich mit den page protectors kreativ auszutoben (da juckt es mir nämlich schon in den Fingern, wenn ich diese ganzen Project-Life-Videos auf YouTube sehe). Dank der Einlagen für den Text wäre das System auch deutlich flexibler, sowohl im Vergleich zu traditionellem Project Life als auch im Vergleich zu meiner bisherigen Journal-Methode.

Meine Vorbehalte sind bisher noch diese: Erstens kann ich überhaupt nicht abschätzen, wieviele Monate man in so einem 6×8-Ordner unterbringen könnte; bestimmt mehr als einen, aber sicherlich nicht das ganze Jahr. Leider scheint fast niemand in der Scrapbooking-Community dieses System zu benutzen, jedenfalls hab ich keine entsprechenden Blogposts oder Videos gefunden, sodass ich auch nicht auf die Erfahrungswerte von anderen zurückgreifen kann. Zweitens schlackere ich angesichts der Preise immer noch ein bisschen mit den Ohren. Die Einlagen selbst sind nicht so teuer, aber man braucht natürlich noch den Ordner dazu, die page protectors, und eigentlich auch noch ein paar nette Journaling Cards (klar gibt es jede Menge gratis zum Ausdrucken online, aber da sind die Größen oft sehr unterschiedlich, und das ist mir zu unsicher), also läppert sich da schon was zusammen. Jedenfalls für mich wäre das schon eine richtige Investition.

Ihr seht also, ich bin sehr unentschlossen (was für ein unbefriedigender Blogpost!). Hilfreich fände ich euer Feedback zu dem Thema: Kennt oder nutzt ihr Project Life? Wie dokumentiert ihr euer Leben und euren Alltag? Was haltet ihr von den Journal Pages, und was würdet ihr an meiner Stelle machen? Bin für jede Meinung dankbar 😉

xoxo, Großstadtprinzessin

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11 Responses to Memory Keeping 2015

  1. Ein sehr schönes Thema. Genau in diesem Zwiespalt stand ich Ende des letzten Jahres auch. 😉
    Ich führe seit einigen Jahren ein Memorybook, wo ich die Highlights des Monats verbastelt hab. Also ein Ordner für ein Jahr.
    Dieses Jahr mach ich einen Mix aus dem Memorybook und Project Life. Ich mag Project Life nämlich auch ausprobieren, allerdings mag ich micht nicht auf die Hüllen beschränken.
    Also ich muss ganz ehrlich sagen, dass dieser Mix mir bisher auch sehr gut gefällt. Werde spätestens Anfang Februar mal ein paar Seiten davon im Blog zeigen.

    Die Art mit dem Daily find ich allerdings auch sehr genial! Ich hoffe, du zeigt davon ein wenig mehr, wenn es gefüllt ist!!

    • Hey Steffi, danke für deinen Input! Ich kann gerne ein paar Seiten aus dem “January Daily” zeigen, wenn es soweit ist; am December Daily arbeite ich noch, aber ein Post darüber sollte auch irgendwann noch kommen, hoffentlich 🙂

  2. Hallo ich hab da vielleicht noch eine Idee für dich ( das habe ich mir für dieses Jahr auch bestellt und kommt demnächst an)

    EIN MEMORYBOOK!!!
    Die Liebe Bina (http://ja-sagerin.blogspot.de/) hat diese Idee ins Leben gerufen und macht diese Ordner selber!

    Hier sind ein paar Links wie das aussehen kann. ich finde die Idee so schön und es ist deutlich günstiger als ein Project Life book 🙂

    http://ja-sagerin.blogspot.de/search/label/memory%20book%202014

    http://www.coralinart.net/search/label/memory%20book

    http://sscenesdelavie.blogspot.de/search/label/Memorybook

    Schau da mal vorbei! Vielleich gefällt dir das ja auch 🙂

    Liebst Grüße,
    Alex ♥

    • Hi Alex, Binas Memorybooks kenne ich natürlich auch und finde sie sehr schön, aber ich weiß genau, dass ich darin kein ganzes Jahr unterkriegen würde (immerhin schreibe und scrappe ich so gut wie jeden Tag!). Insofern hat man damit exakt dasselbe Problem wie mit dem originalen PL…

  3. Ja, diese hübschen PL-Karten…. 😉 Mir sind sie zu teuer. Der Ausschuss an Karten, die mir in einem Set nicht gefallen, ist mir zu groß. Und mit dem PL-Book wäre ich zu unflexibel. Wohin mit der Konzertkarte – sie passt nicht rein. Wohin mit dem Bon vom tollen Freundinnenabend im Sushi-Restaurant? Ich finde dein System mit den A5-Büchern gar nicht schlecht. Vielleicht wäre ein Drucker eine schöne Ergänzung? Ich habe den Canon Selphy und kann ihn direkt vom Handy aus ansteuern. Genial 🙂 Und reinkleben lassen sich PL-Karten ja trotzdem…
    LG Kerstin

    • Hi Kerstin, gerade das finde ich ja an dem PL-System mit dem Ordner so cool: Sachen mit einem ungünstigen Format (d.h. die nicht in die Page Protectors passen) können einfach gelocht und mit abgeheftet werden! Und einen Canon Selphy habe ich seit meinem letzten Geburtstag schon und liebe ihn abgöttisch. Nie wieder ohne! 😉

  4. Ich scheitere auch immer daran ein passendes Buch oder sonst was zu finden, wenn mich mal wieder der “Memory Keeping” Wahn packt. Im Moment schwanke ich zwischen zwei verschiedenen Läsungsansätzen…
    Zum einen könnte man sich mit Buchringen relativ unkompliziert ein eigenes Album basteln. Das sah mir aber in den diversen Youtube Videos, die ich dazu gesehen habe, aber immer etwas wackelig aus, weil eben auch das Deckblatt und der “Buchrücken” nur in die Ringe eingeheftet wird.
    Eine andere Idee wäre sich selbst ein Buch zu binden. Um das ganze leichter zu machen, würde ich wohl auf losen Blättern das Journal führen und am Ende vom Jahr alles zu einem Buch binden. Das gibt es bei http://www.youtube.com/user/SeaLemonDIY super Anleitungen nach denen ich auch schon das ein oder andere kleiner Fotoalbum selbst gebunden habe.
    Das wären also meine Gedanken dazu, weil ich für die Projekt Life Geschichte auch zu geizig bin. Genau wie du habe ich die Journaling Cards bisher auch immer kostenlos aus dem Netz bezogen und dann so viel für Karten, bei denen mir vielleicht nicht alle gefallen? Ich weiß ja nicht…

    Aber ganz grundsätzlich, wenn du ohnehin bereit dazu warst ein Album für jeden Monat anzulegen, was spricht dann gegen zwei Memorybooks oder so von Bina, wenn dir das grundsätzliche System mit dem Lochen zusagt und du nichts gebundenes “brauchst”?

    Liebe Grüße

    • Hi Jasmin, danke für deinen langen Kommentar! 🙂 Das mit den Buchringen ist mir auch zu wackelig, zumal ich jemand bin, der permament durch seine Alben blättert; insofern brauche auch ich da etwas Stabileres. Das mit der DIY-Buchbindung ist prinzipiell ‘ne nette Idee, aber da würde mich wahrscheinlich nerven, dass ich eine Sammlung aus losen Blättern habe, bis ich alles am Ende zusammenbinden kann. Da würde ich bestimmt total schnell die Krise kriegen (aber wenn das für dich funktioniert, super!).
      Weil viele in den Kommentaren jetzt schon Binas Memorybooks vorgeschlagen haben (die ich natürlich kenne), habe ich mir die vor ein paar Tagen mal genauer angeguckt: Im Grunde scheint mir das ein Äquivalent zu dem PL-Ordner zu sein, d.h. jegliches Innenleben (Seiten für Text, Klarsichthüllen für Fotos und/oder Journaling Cards) sind nicht mit dabei. Und wenn man mal rein von finanziellen Gesichtspunkten ausgeht – denn das ist ja mein Haupt-Kritikpunkt – beläuft sich ein Memorybook auf etwas über 20€, während ein entsprechender PL-Ordner z.B. in der Scrapbookwerkstatt “nur” 16€ oder so kostet. Insofern sind die Memorybooks momentan für mich eher nicht so attraktiv. Ich freu mich aber, dass die so viel Anklang finden! 🙂

  5. Ich habe mich vor 2 Jahren getraut und mir ein “Basispaket” Project Life gekauft, sowie eine Kombipackung Schutzhüllen mit 2 verschiedenen Formaten. Ein Laden in meiner Stadt hatte verschiedene Pakete zur Ansicht da und dann konnte ich das Paket bestellen, das mir am besten gefallen hat.
    Und ich bin damit immer noch sehr zufrieden. Allerdings sammle ich nicht jeden Tag, sondern immer die Ereignisse der Woche, sodass ich für für jede Woche nur ca. 1 Seite brauche (manchmal reicht die auch für 2 Wochen, je nachdem wie viel los ist…). Und ich benutze selten die Originalkarten, sondern mache mir immer Kopien, die ich dann ausschneide und beschrifte. So hält das Paket länger und außerdem bin ich mit Vorder- und Rückseite flexibler.
    Das einzig ärgerliche ist, dass die Formate der Schutzhüllen nicht zu dem deutschen Ordnerformat passen. Dafür habe ich noch keine Lösung gefunden, deshalb binde ich die einzelnen Wochen/Monate mit Faden zusammen und lagere sie im Liegen in einem Karton…

    Liebe Grüße

    • Ja, das sind diese blöden quadratischen Formate, die man in den USA so gerne benutzt und hierzulande überhaupt nicht. Deshalb finde ich auch die kleineren 6×8-Ordner gut, die sind nämlich nicht quadratisch. Aber schön zu wissen, dass du dranbleibst mit Project Life und nach wie vor Spaß dran hast! 🙂

  6. Ich bin gerade mehr oder weniger über Deinen Blog gestolpert und habe/hatte ein ähnliches Problem. Für PL bin ich auch eher zu geizig und hab lange hin und her überlegt.

    Ich habe mir für 2015 überlegt, dass ganze in Din A4-Ordnern (mit weißem und bunten Papier und Klarsichthüllen) zu gestalten. Da gibt es viel Auswahl. Man kann sogar, wenn man kreativ und talentiert genug ist (was ich nicht bin), auch in die A4-Hüllen Taschen nähen, so das man sie wie die PL-Hüllen nutzen kann.

    Ich habe so mehr Auswahl, mehr Platz und kann mit meiner Einteilung flexibler sein. Da ich nebenher auch gerne zeichne und male, kann ich mich hier auch sehr gut austoben und bin beim gestalten sehr frei.

    Ob es der Weisheit letzter Schluss ist, weiß ich allerdings auch noch nicht. Zumal ich nicht jeden Tag etwas mache und meine Monate durchaus auch unterschiedlich viele Seiten haben.

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